Dielen schleifen – aus alt wird neu

historische Dielen Lutherkirche

historische Schlossdielen aus Eiche in der Lutherkirche Wittenberg

Dielen schleifen – aus alt wird neu – warum es so wichtig ist, die Dielen alle 20 Jahre zu renovieren und historische Holzdielen zu erhalten.

Beim Thema Dielen Schleifen geht es vorwiegend darum, eine gute Dielung zu erhalten. Ebenso besteht oftmals das Interesse erhaltenswerte alte Dielen aus verschiedenen Räumen zusammenzulegen und somit wiederzuverwenden, was vor allem aus ökologischer Sicht zum Erhalt des Waldbestandes beiträgt. Gerade als nachhaltig denkendes Unternehmen ist es wichtig, nicht nur an den Verkauf zu denken, sondern auch erhaltenswerte Materialien zu schonen und nur mit nötigen neuen Dielen zu ergänzen.

Alte Dielen schleifen

Beim Thema „Alte Dielen schleifen“ ist es zunächst sehr wichtig zu verstehen, warum überhaupt so viel Farbe auf alten Dielen vorhanden ist. Die historischen Dielen vor einhundert Jahren waren nicht wirklich als sichtbare Dielung gedacht. Sie übernahmen, ähnlich wie der Estrich oder Blindboden aus OSB Platten heute, die Rolle des Trägers. Hinzu kommt, dass die Wohnungen damals im Schnitt deutlich kälter waren als heute, da man mit dem Ofen heizte und mühsam Kohlen schleppen musste. So hatte man im Winter oft nicht mehr als 15 °C in der Wohnung.

Dielen streichen mit Ochsenblut

Damals war an eine Fußbodenheizung überhaupt noch nicht so denken. Also legte man auf die Dielen eine etwas fußwärmere Auslegware. Zum Schutz vor Feuchtigkeit von oben oder Schädlingsbefall strich man die Dielen damals mit dem bekannten Ochsenblut. Dieses Ochsenblut war sehr dick und hatte somit eine reine Schutzfunktion.

Neue Heizung stellt die Weichen für den Dielenboden aus Holz

Durch den Wandel der Zeit rückten die Zentralheizung immer weiter vor und man konnte nun in warmen Räumen auf unschöne und schnell abgenutzte Auslegware verzichten. Viele Menschen erkannten nun den Charm von alten breiten Dielen, auch wenn diese aufgrund der stärkeren Heizung breitere Fugen als ihre Vorgänger hatten.

Nun heißt es, die geschüsselte und stark gestrichene Dielung von der Farbe und den Verwerfungen zu befreien:

1. Schritt: Farbe der Dielen durch Schleifen entfernen

Der erste große Fehler, den viele Anfänger machen, ist, zu feines Sandpapier zum Anfang zu nehmen. Der Aufstrich ist oftmals nur bis zu 2 mm Stärke auf den Dielen vorhanden. Somit sollte man den ersten Schleifgang mit Korn 16 angehen. Manchmal empfiehlt sich sogar Korn 12, wenn Verwerfungen von mehr als 5 mm vorhanden sind.

Bevor ich allerdings das Schleifband auflege und es los geht, sollten alle sichtbaren Punkte unter denen Nägel sind mittels eines Senkers tiefer geschlagen werden. Zum einen machen die Nagelköpfe das schleifband sehr schnell stumpf und zum anderen braucht man die intakten Nagelköpfe, damit die Diele nicht später knarrt. Der 16er Schliff wird genau entlang der Verlegerichtung der Dielen gemacht. Wichtig ist hier die Dielen so lange zu schleifen, dass ca. 95% der Farbe schon weg sind. Jeder weitere Schleifgang ist dafür gedacht, die Dielen plan und feiner zu bekommen und nicht, um noch Farbe zu schleifen.

2. Schritt: Abrichten oder planschleifen der Dielen.

Nach dem der 12er oder 16er Schliff fertig ist und bereits 95% der Farbe runter sind, kommt der Planschliff der Dielung. Bisher haben wir nur entlang der Dielung geschliffen, daher sind die Verwerfungen in den alten Dielen teilweise noch vorhanden.

Bevor wir nun den 24er Schliff angehen, kontrollieren wir nun noch einmal, ob die Nägel noch einmal nachgesenkt werden müssen. Nun schauen wir aus welcher Richtung das Hauptlicht in den Raum fällt, denn in diese Richtung schleifen wir nun den 24er Schliff 45 Grad diagonal. Der 24er Schliff wird so langsam gefahren, das nun auch die letzten 5% der Farbe weg sind.

Der nächste Schliff ist dann der 36er oder 40er Schliff. Dieser wird exakt in die andere Richtung zum 24er Schliff gefahren. Das heißt ,er läuft ebenfalls 45 Grad auf der Dielung lang. Nach dem dieser Schliff erfolgt ist, kommt noch der letzte Diagonalschliff der 60er, welcher wieder in die gleiche Richtung wie der 24er ausgeführt wird.

Wichtig für die Randbereiche ist, dass nach dem 16er Grobschliff auch der 16er Grobschliff der Dielen am Rand ausgeführt wird. Dann nach dem 24er auch der 36er Randschliff. Den 40er Schliff überspringen wir. Zuletzt schleifen wir die Dielen erst nach dem 60er Randschliff mit dem 40er Randschliff nach.

3. Schritt: Glätten und Dielen fertig schleifen

Nachdem der 60er Schliff diagonal erfolgt ist, kommen nun wieder ein oder zwei Schiffe parallel zur Dielung. Je nachdem was später mit der Dielen Oberfläche geschehen soll, kommt nun entweder der letzte Walzenschliff mit Korn 80 oder bei gewünschtem Ölen oder Beizen noch ein 100er Feinschliff. Sehr wichtig ist, dass diese Schliffe sehr langsam ausgeführt werden, um möglichst alle diagonalen Spuren zu entfernen. Will man farbiges Öl oder Beizen verwenden, sollte der letzte Schliff mit der Walzenschleifmaschine in Korn 100 durchgeführt werden. Diese Regel gilt jedoch nur für Nadelholzböden aus beispielsweise Kiefer- und Lärchendielen.

Bei einem Dielenboden aus Eiche sollte noch Korn 120 im Anschluss erfolgen. Hat man den letzten Walzenschliff beendet, wird nun der letzte Randschliff mit Korn 100 durchgeführt. Sollte man nach dem Dielen Schleifen mit Korn 80 die Fläche fertig haben, so wird natürlich auch der Rand mit Korn 80 geschliffen. Ist der letzte Schliff Korn 100, so kann hier aber wieder der 80er Schleifgang übersprungen werden.

Ist der Randschliff fertig, kommt nun das Tellerschleifen mit einer großen Schleifmaschine. Hier gilt die Regel, mit dem Korn, welches ich als letztes auf der Walzenschleifmaschine genommen habe, fange ich das Tellerschleifen an und nehme dann für den zweiten Schleifgang 20 Körner mehr.

Somit endet das Dielenschleifen also mit Korn 100 oder 120. Bei der Eiche reicht hier auch ein 120er Korn, kann aber auch mit 150er Korn beendet werden. Will man eine Eichendiele nur ölen, sollte man nicht zu fein schleifen, da sonst das Öl nicht gut in die Poren eindringen kann. Nachdem das Tellerschleifen beendet ist, muss der Dielenboden nun gründlich gesaugt werden und kann anschließend seine Oberflächenbehandlung bekommen.

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Fazit – Dielen schleifen ist wichtig!

Das Schleifen der Dielen ist für alle Dielen relevant. Schließlich nutzt sich jeder Dielenboden mit der Zeit ab und muss somit alle 20 bis 25 Jahre mal abgeschliffen und erneuert werden. Hierbei ist ein entscheidender Vorteil von Dielen gegenüber Parkett, dass Dielen eine stärkere Nutzschicht haben und somit deutlich häufiger erneuert werden können. Dies ist einer der Gründe, warum ein Dielenboden in der Regel viel länger hält als ein Parkettboden.

Somit können auch sehr alten Dielen in Altbauten oder historischen Gebäuden teilweise noch saniert werden. Hierbei spielt das Dielen Schleifen eine große Rolle. Wie schon erwähnt, wurden die Dielen damals mit Ochsenblut gestrichen, um sie haltbarer zu machen. Ebenso fanden wir damals preiswerte Auslegware auf den Holzdielen, um mehr Fußwärme zu generieren. Heute können wir im Zuge der Entwicklung neuer Heizsysteme auf die Auslegware verzichten und durch Schleifen und behandeln der Oberfläche auch historische Dielen in einen sehr ansehnlichen Zustand bringen. Die Arbeit an alten Dielen erfordert beim Schleifen ein hohes Fachwissen und Fingerspitzengefühl. Wir empfehlen vor einer Renovierung immer mit einem Dielen Unternehmen Kontakt aufzunehmen, dass das nötige Know How besitzt. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Sanieren Ihres alten Dielenbodens.

Ihr Jan Nicklaus – HVL Diele von unterwegs